• Benjamin Lehmann

Was mache ich hier eigentlich? – Selbstmotivation

Ab und zu schießt uns genau diese Frage durch den Kopf, wenn wir gerade verärgert, genervt oder am Rande unserer Geduld sind, wenn der Gast uns das 10. Mal fragt, ob das mit dem Wetter denn jetzt so bleiben soll 🙂?

Es ist aber gut, wenn wir sie uns auch in entspannten Situationen gelegentlich stellen.

„Warum mache ich das, wo will ich damit hin, und was ist das langfristige Ziel dahinter?“

Und gerade werden wir mehr als auf die Probe gestellt. Ich versuche das „C-Wort“ in diesem Artikel zu vermeiden, kann es aber nicht versprechen.

Eines steht fest: In diesen Zeiten fällt es uns besonders schwer uns zu motivieren.

Anders als nach einem Wirbelsturm „Es ist vorbei, wir fangen an aufzuräumen.“ fehlt uns das klare Ende der Situation, das „Vorbei“. Dabei sind wir Reiseleiter echte Motivationskünstler. In der Regel müssen wir nicht nur uns selbst motivieren, sondern unseren Busfahrer, unsere Gäste und das Personal in den Eintritten und …

Die persönliche Leistungsfähigkeit ergibt sich aus der Kombination von Zufriedenheit und Motivation, wobei nicht jeder Mensch durch die gleichen Dinge angetrieben oder motiviert wird. Zufriedenheit und Motivation, natürlich, und spätestens jetzt wird klar, warum uns das im Hier und Heute so schwer fällt. Unzufriedenheit mit sich selbst und der aktuellen Lebenssituation ist kein seltenes Phänomen, gerade weit verbreitet, gar berechtigt. Und jeden Tag werden Ratgeber und Erfolgs-Tipps angeboten, die zu oft in Resignation enden.


Aber was ist Motivation eigentlich?

Ganz allgemein sprechen wir von Motivation, wenn wir bei Menschen eine Verhaltensänderung feststellen. Wir sagen dann, dass ein innerer Antrieb, die Motivation, ihn zu diesem oder jenem Verhalten bewegt. Meist sprechen wir dann von Motivation, wenn menschliches Verhalten zielgerichtet oder zielstrebig ist: etwa in dem Sinn, dass der Mensch ein bestimmtes Ziel erreichen will oder eine Aufgabe erfüllen muss. Wenn ein Mitarbeiter zum Beispiel nicht die Leistung erbringt, die seine Vorgesetzte von ihm erwartet, gibt es drei Möglichkeiten oder Aspekte, woraus dies resultieren kann: Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft oder Leistungsumfeld stimmen nicht. Um die Mitarbeitermotivation zu beschreiben, spielen alle drei Aspekte gemeinsam eine große Rolle. Sie hängen oft voneinander ab:

Leistungsfähigkeit

Die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters, die Summe seiner Fähigkeiten reicht nicht aus, um das gewünschte Ergebnis zu liefern. 

Leistungsbereitschaft 

Die Leistungsbereitschaft des Mitarbeiters reicht nicht aus; es fehlt an der notwendigen Motivation.

Leistungsumfeld 

Das Leistungsumfeld stimmt nicht: Mit dem Leistungsumfeld ist die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Ausstattung mit Werkzeug und Maschinen, die Arbeitsgestaltung, das Dienstfahrzeug und der Computer gemeint.

Was menschliches Verhalten beeinflusst

Es gibt mehrere Faktoren, die menschliches Verhalten beeinflussen.

Neben der Motivation sind das:

  • Emotionen,

  • die jeweilige Situation, 

  • die unterschiedliche Wahrnehmung, 

  • Denkprozesse und 

  • die Person in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand.

Die Verhaltenspsychologie spricht zudem gerne von der „Intrinsischen Motivation

Die intrinsische Motivation ist die innere, aus sich selbst entstehende Motivation eines jeden Menschen: bestimmte Tätigkeiten macht man einfach gern, weil sie Spaß machen, sinnvoll oder herausfordernd sind oder einen schlicht interessieren. Intrinsisch motivierte Tätigkeiten werden – im Gegensatz zu Extrinsischen – um ihrer selbst Willen durchgeführt und nicht, um eine Belohnung zu erlangen oder eine Bestrafung zu vermeiden. Dabei schließen sich intrinsische und extrinsische Motive nicht zwangsläufig aus.

Ein Angestellter kann z.B. seiner Arbeit sowohl aus Spaß an der Arbeit als auch dem Wunsch nach angemessener Bezahlung, Erfolg und Macht nachgehen. Viele Handlungen werden daher durch eine Kombination von intrinsischen und extrinschen Motiven durchgeführt.

Quellen intrinsischer Motivation

  • Interne Prozessmotivation: eine Aufgabe wird um ihrer selbst Willen erledigt. Man erkennt den Sinn der Tätigkeit, hat Spaß daran und ist weder unter- noch überfordert.

  • Internes Selbstverständnis: jeder Mensch besitzt subjektive Werte und Ideale, an denen er seine Handlungen ausrichtet. Eine Person versteht sich z.B. selbst als fairen Menschen und handelt entsprechend dieses Selbstbildes. Das interne Selbstverständnis spricht besonders das Grundmotiv der Leistung (siehe Grafik unten) an.

Der Motivation Crowding Effect

Spannend und für die Rubrik „good to know“ ist auch der sogenannte „Motivation Crowding Effekt“. Er kann auftreten, wenn sich intrinsische und extrinsische Motivation überschneiden. Im Idealfall sieht eine Überscheidung von Motivationsquellen so aus: ein Reiseleiter betrachtet seine Arbeit als sinnvoll und führt sie mit Freude durch (intrinsische Motivation). Gleichzeitig empfindet er das Honorar für seine Arbeit als angememessen und ausreichend für seinen Lebensunterhalt (extrinsische Motivation). An dieser Stelle führt sein Auftraggeber allerdings ein Bonussystem ein, das die persönliche Leistung der Reiseleiter*innen stärker belohnen soll. Der Reiseleiter hat nun die Möglichkeit, z.B. durch das Erreichen von mindestens 20 positiven Bewertungen im Netz, wesentlich mehr Geld zu verdienen als vorher.

Was geschieht nun: der Reiseleiter möchte sich diesen Bonus natürlich nicht entgehen lassen und wird nun verstärkt darauf hinarbeiten, die vorgegebenen Ziele zu erreichen.

Aufgaben, die keinem konkreten Geschäftsziel dienen und damit kein Bestandteil des Bonussystems sind, wird er stärker als negative, da nicht explizit belohnte Arbeit empfinden. Die ursprünglich vorhandene, intrinsische Motivation des Reiseleiters – der Spaß an der Sache – wird durch die extrinsische Motivation verdrängt.


Zusammengefasst:

  • Bei eintönigen Arbeiten, die man nicht als sinnvoll empfindet oder ungern erledigt, lässt sich die Motivation mit einer externen Belohnung verstärken.

  • Bei selbstmotivierten Arbeiten, die man als sinnvoll empfindet und gern erledigt, steigt die Motivation durch Belohnungen ab einer gewissen Grenze nicht mehr weiter an und kann sogar die innere Motivation verdrängen.

Was uns wirklich antreibt

Es ist wichtig, dass wir unsere Hauptantriebe kennen. Denn wenn wir die vor Augen haben, finden wir die Kraft, uns auch durch schwierige Aufgaben zu kämpfen und dabei nicht gleich innerlich das Handtuch zu werfen. Einen Fehler machen wir allerdings viel zu oft: Wir verwechseln unsere Antriebe mit unseren Wünschen, mit den „ach so guten Vorsätzen“: „Ich sollte mir mal Zeit nehmen, um mich weiterzubilden, eine neue Fremdsprache zu lernen. Ich sollte mir mehr Zeit für meine Hobbys nehmen.“ Ein Vorsatz, der mit „Ich sollte mal...“ beginnt, reicht nicht und nützt nichts. Wir müssen es auch wirklich wollen!

Genauso verhält es sich mit unseren äußeren und inneren Motivationen.

Äußere Motive wie Geld, Lob oder gute Noten spornen uns natürlich an. Aber ohne den Druck von innen heraus geht es trotzdem nicht. Motivieren kann uns nur etwas, was uns von innen heraus antreibt, nichts, das uns in eine Richtung drängt. Etwas, wofür wir alles tun würden, etwas, wofür wir brennen. Nicht umsonst heißt es: „Motivation ist eine milde Form der Besessenheit.“

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